Und schon wieder ein Monat vergangen, seit wir mit unseren Freunden von Saigon Children Charity unsere Working with Others Projekte besucht haben. Das Schönste für mich an der Projektarbeit ist die Arbeit mit den Menschen, – ob unsere Freunde und Sozialarbeiter bei SCC oder die Menschen in den Projekten – das Engagement füreinander, die Menschlichkeit und Motivation ist herzerfrischend, und wenn ich meine Energie für so etwas aufwende, scheint sie auch unerschöpflich zu sein! Ich möchte euch zu 4 unserer bisher 25 Projekten für Behinderte in unserem Working With Others Programm mitnehmen, die einen guten Querschnitt der Arbeit darstellen und recht gut beschreiben, was wir da eigentlich machen.
Die Huong Dong Schule – Sonnenblumen Schule
Hier konnten wir bereits 2010 ein Projekt umsetzen, das wie kein anderes den Geist von WWO beschreibt. Ein perfekt ausgearbeitetes Konzept für die richtige Einordnung und Förderung für Behinderte lag seit Jahren in einer Schublade des Zentrum für die Unterstützung und Integration von Behinderten in Ho Chi Minh – ausgearbeitet von deren Direktorin Ms. Huynh Thi Thanh Binh -
Doch es fehlte ein wenig Geld und eine Schule, in der dieser über Jahre erstellte Lehrplan angewandt werden konnte. Im WWO Programm setzte die Huong Dong School das ganze so erfolgreich um, dass der Lehrplan nun bereits in 40 weiteren Einrichtungen angewandt wird und vom Bildungsministerium für Vietnam anerkannt und gefördert wird.
Dabei ist dieses Projekt nicht das einzige, dass wir erfolgreich mit der Huong Dong Schule durchgeführt haben. Im Projekt Autocourier Training geht es um Fortbildung von 15 Lehrern für Kinder mit Entwicklungsstörungen wie Autismus und ADHS, für derzeit etwa 90 Kinder. Im Projekt Life Skill Training stellen wir die Infrastruktur zur Verfügung, um den Kindern zu ermöglichen, Fertigkeiten, die es ihnen erlaubt ein selbstbestimmtes Leben zu führen, zu erlernen. Vom selbständigen Haushalt und Kochen über Einkäufe und viele andere Tätigkeiten werden die Kinder hierbei, angepasst an ihre Möglichkeiten aufgrund der Behinderung, geschult.
Für die ärmste Schicht bleibt die Aufnahme der Kinder in die staatliche Huong Dong Schule schwierig – nur etwa 10% der sehr armen Kinder können aufgenommen werden, das Essen für die Kinder muß generell von den Eltern bezahlt werden, was es vielen unmöglich macht, ihre Kinder dort unterzubringen, und der Andrang liegt weit über den Möglichkeiten der Schule.
Tephan House
Deshalb werden viele behinderte Kinder einfach ausgesetzt. Eine Ort wo sie dann Zuflucht finden, ist unsere nächste Station. Im Tephan House – einer von Mr. Binh gegründeten und einer früheren Universitätslehrerin Frau Thi Minh Thu betreuten Wohlfahrtseinrichtung – werden derzeit 40 Waisen – fast alle mit Behinderungen – und 10 ältere Menschen betreut.
WWO hat es sich zur Aufgabe gemacht, Einrichtungen von und für Behinderte so zu fördern, dass sie zunehmend auch voneinander lernen und gemeinsam ihre Aufgaben besser lösen können. Deshalb sind wir nicht nur im typischen “Charity” – also Wohlfahrtsbereich aktiv, in dem manche der Ärmsten – wie hier im Tephan House durch die Fürsorge selbstloser und unglaublich engagierter Menschen eine Zuflucht finden – sondern genauso in Schulen, die schon lange mit Behinderten arbei-ten, sowie an Universitäten und allen Einrichtungen, die in diesem Bereich initiativ sind. Auf diese Weise können wir viel besser helfen, wir können in “reicheren” Einrichtungen Workshops veranstalten, an denen die Lehrer, Eltern und Kinder der ärmeren Einrichtungen teilnehmen, wir können Wissen weitergeben und einmal Gelerntes für alle Projekte nutzen. Und zunehmend freuen wir uns darüber, dass diese Einrichtungen überhaupt erst einmal erkennen, dass sie nicht alleine auf weiter Flur sind, sondern in Ho Chi Minh City eine Vielzahl von Einrichtungen ähnlicher Art vorhanden sind, die nun beginnen sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten.
Das ist das eigentliche Ziel von WWO -was im Englischen treffend mit „Empowerment“ bezeichnet wird – und von Wikipedia wie folgt übersetzt wird: “den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften zu erhöhen, die es ihnen ermöglichen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten und zu gestalten”.
Khai Tri Schule
Ganz anders die Situation im dritten Projekt, der Khai Tri Schule, wo wir auf Mrs .Vo Thi Thuy, frühere Leiterin der Huong Dong Schule treffen. Die Geschichte der Khai Tri Schule ist mit dem Schicksal, von Dr Huynh Tan Mam verbunden. Der engagierte Mediziner war seit seiner Jugend auch journalistisch für bessere soziale und politische Verhältnisse in Vietnam aktiv und hat zwei schwer autistische Kinder.
Damit konfrontiert, dass es für diese Kinder keinerlei spezifische Schule oder Betreuung gab, gründete er die Khai Tri Schule und führt sie seitdem vorbildlich. An dem im Rahmen von WWO geförderten Lehrgang für psychomotorisches Training lernten 14 Lehrer mit 44 Schülern aktuelle Methoden zur besseren Förderung autistischer Kinder. Zwar hat Dr. Huynh Tan Mam erreicht, dass die Khai Tri Schule ausgezeichnet ausgestattet ist und er kann den meist aus den Provinzen stammenden Lehrerinnen etwas mehr bezahlen, als z.B. die staatliche Huong Dong Schule – trotzdem bleibt es ein wirtschaftlich
schwieriges Unterfangen den Betrieb zu finanzieren. Gerade die Eltern von Kindern aus größerer Entfernung müssen unglaubliche Einschränkungen in Kauf nehmen, damit ihren Kinder diese in Ho Chi Minh einzigartige Betreuung und Förderung zu Gute kommt. Im Rahmen von WWO wollen wir vieles, was in der Khai Tri Schule bereits Realität ist, für andere Schulen zugänglich machen und Mrs .Vo Thi Thuy und Dr. Dr Huynh Tan Mam sind hier ein überaus offener und konstruktiver Partner.
Thien An Shelter for the Blind
Das vierte Projekt, in das wir euch einladen, ist das „Thien An Shelter for the Blind“ – Das von Mr. Binh gegründete Heim strahlt eine aussergewöhnliche Lebensfreude aus. Mr. Binh, selbst seit einem Autounfall erblindet – hat hier eine Stätte geschaffen, in der Blinde lernen, sportlich aktiv sind, Musik machen und vieles mehr. Manche seiner Kinder und Jugendlichen waren bereits bei Behindertenolympiaden und der Mann steckt voller Energie für immer neue Projekte, um die Situation der Blinden zu verbessern. Voller Freude erzählt er uns, dass dieses Jahr zum ersten 
mal in Vietnam der “White Cane” Day” (zu deutsch: der Tag des Blindenstabes) – gefeiert wird, an dem auf die Probleme und Bedürfnisse von Blinden weltweit aufmerksam gemacht wird – auch dies ist sein Verdienst. Im WWO Projekt haben wir bereits mehrere Projekte unter der Beteiligung von Mr. Binh erfolgreich durchgeführt und wir sind schon auf neue Ideen gespannt. Lars und Christiane von unserem Help Alliance Projektteam waren von der Arbeit bei ihrem Besuch im Mai 2010 so begeistert, dass sie privat einen Lehrgang für ein Masseurdiplom für Schüler aus dem Thien An Shelter finanzierten, dass nicht in unser WWO Schema passte – auf die Bitte ob wir dafür nicht einen Sponsor finden würden, halfen die Beiden gleich selbst.
General Science Library
Im Thien An Shelter treffen wir auch unseren nächsten Projektpartner, die General Science Library.
Sie trat 2010 an uns mit der Bitte heran, einen Querschnitt aus Kinder- und Jugendbüchern, wertvoller vietnamesischer Literatur, Lehr- und Wissenschaftsbücher in Braille – der Blindenschrift – zu übersetzen und zu drucken. Mit Begeisterung sahen wir hier, wie diese Bücher gelesen und diskutiert wurden und wie Blinde bereits beim nächsten Projekt, nämlich der Umsetzung von Computerprogrammen für Blinde arbeiteten. Mit der mobilen Library ist es zudem möglich, all diese Angebote auch zu den Menschen zu bringen. Auch hier geht es wieder um die Integration vieler kleiner Projekte, das Zusammenbringen von Menschen und Ideen.
Saigon Children Charity – unser „Zuhause“ für WWO
Zurück bei SCC verbringen wir viele Stunden damit , unsere Projekte mit unseren beiden Sozialhelferinnen Huong und Nhieu zu besprechen. Beide sind hoch motiviert, weil sie bei Working With Others diese Entwicklungsarbeit machen können. Dass sie im Rahmen von WWO Ideen und Projekte in richtige Bahnen lenken, umsetzen und vernetzen können, ist etwas sehr seltenes, denn nur wenige Hilfsorganisationen unterstützen diese anspruchsvolle aber sehr lohnenswerte Arbeit –
“vielleicht weil man nicht gleich seinen Namen irgendwo draufkleben kann” … meint Huong. Truong ist nach 2 Jahren Mitarbeit bereits Spezialist in vielen Belangen. Seit er unserem kleinen Vietnam Help Alliance Team angehört, hat er große Teile seines Urlaubs ganz bei Saigon Children Charity verbracht und durch seinen vietnamesischen Background und seine Einsicht in die Arbeitskultur bei Lufthansa, versteht er vieles leichter und ist für Alle eine unschätzbare Bereicherung. “Wir müssen alle Projekte mit öffentlicher Beteiligung durchführen und sei sie noch so klein”…. bringt er ein – ein für die Zukunft unglaublich wichtiger Gedanke, auch Paul, Direktor von SCC und der Erdenker von WWO pflichtet ihm bei. Je mehr wir bei jedem Projekt öffentliche Einrichtungen beteiligen, desto mehr werden sie über die Jahre auch ihre Verpflichtung wahrnehmen und aus privater Wohlfahrt kann gesellschaftliche Verantwortung entstehen.
“Wir sollten für die nächste Projektrunde nicht mehr zu jedem Antragsteller fahren, sondern sie zu mehreren Workshops alle hierher einladen”… sagt Huong – sonnenklar, wenn die Idee erstmal ausgesprochen ist – wie erfolgreich der erste Workshop war, der gerade stattfand, erzählen wir Euch in einem extra Blog – viele weitere größere und kleinere Verbesserungen an der WWO Arbeit entstehen so bei den Projektbesuchen und unseren Gesprächen – so werden der Projektrunde für den April 2011 alle Erfahrungen, die wir in den letzten beiden Jahren gesammelt haben, zugute kommen.
Die größte Änderung dabei: wir haben in den zwei Jahren Partner gewonnen, die wir langfristig für die WWO Arbeit gewinnen wollen – unter ihnen die Huong Dong und Khai Thri Schule und das Thien An Shelter – sie haben alle Voraussetzungen, um gemeinsam mit SCC im Rahmen des WWO Programs neue kleine Projekte zu unterstützen und erfolgreicher zu machen und sie haben Projekte umgesetzt, die wir in anderen Einrichtungen wiederholen können – und deshalb wollen wir mit ihnen längerfristige Projekte innerhalb von WWO durchführen und planen etwa 40% des Budgets in diese Arbeit zu stecken und 60% in die Förderung neuer Anträge. Es bleibt also spannend und wir lernen auch ständig dazu.
Ehrlich, ich wollte mich kurz fassen, gründlich mißlungen…. ein Projekt in dem wir ganz alte erfahrene (aber auch isolierte) Sozialarbeiter mit jüngeren zusammenbringen, damit deren
umfassendes Wissen nicht verloren geht, die Arbeit unserer Disablility Working Group, in der betroffene Familien und Lehrer lernen, Behinderungen richtig zu erkennen, das Draw a Man Test Projekt um Behinderungen richtig zu diagnostizieren und entsprechend viel besser zu fördern und vieles mehr…. und gerade gestern habe ich von Huong die neuen Anträge für unser Panelmeeting im April 2012 mit 18 spannenden Projekten, die wir jetzt 4 Monate lang in gemeinsamen Workshops mit den Betroffenen durchleuchten werden …. ich könnte Euch noch stundenlang weitererzählen – im Namen des Help Alliance Vietnam Teams
happy landings, Dominik







