Ghana Reisebericht / März 2014

„Anoshe Women Project“ / Stiftung Sabab Lou

Von Gambia geht es für uns postwendend weiter nach Ghana. Um eine 10-stündige Busfahrt nach Tamale zu vermeiden, nehmen wir einen 1-stündigen ´Starbow´-Flug. Fast schon dachte ich, dass der Platz neben mir frei bleiben würde, da sehe ich einen massigen Mann die alte Tupolev betreten. Vorwärts geht nicht, er versucht es im seitlichen Nachstellschritt. An unserer Sitzreihe angekommen, deutet er auf den Platz neben mir. Nein, das ist jetzt nicht wahr! Höflich stehe ich auf, der Mann windet sich zum Sitz. Natürlich passt er nicht hinein, die Armlehne bricht aus. Und wo bitte soll ich jetzt sitzen? Anstandshalber versuche ich es, aber selbst mit meinem Zwergenmaß scheitere ich. Jump Seat also.

In Tamale schlägt uns eine Hitzewelle entgegen, die Temperaturen sollten über den Tag noch auf 40 Grad + klettern. Keine Spur mehr von der Üppigkeit des Südens, vorherrschende Farbe: braun.

vorherrschende Farbe: braun

vorherrschende Farbe: braun

Nach 5 Stunden kommen wir in Chereponi an und beginnen direkt mit der Bestandsaufnahme des Projekts. Anders als in der vergangenen Saison, hatten die Frauen mit extremer Dürre zu kämpfen. So konnten nicht alle 350 Felder unserer in der Anoshe Women Group (AWG) organisierten Frauen gepflügt werden, sondern nur 320. Und die Ernte war mager. 27 Frauen haben es nicht geschafft den ausgegebenen Kredit für den Feldfrüchteanbau zurückzuzahlen. Die Gruppe konnte jedoch mit dem gestiegenen Preis für Soja die Verluste nahezu kompensieren. Beeindruckend für uns, dass die Gruppe darauf besteht, dass die 27 Frauen ihre Rückzahlungen in der diesjährigen Saison zusätzlich leisten sollen. Die Frauen bestehen auf Gleichheit, sie unterstützen den Wettbewerb, sie wollen jede in ihren Dörfern die Besten sein. Bewundernswert. So sind auch in gemeinsamer Entscheidung mit Nicholas, unserem Projektleiter, diesmal die Mikrokredite nur an die Frauen aus Kpaboku ausgezahlt worden. Über drei Monate können sie damit Kleinhandel betreiben und so noch etwas dazu verdienen. Eine Kombination von Maßnahmen, die aus unseren positiven Erfahrungen aus unserem Mikrokreditprojekt resultieren.

Einen weiteren wichtigen Punkt sprechen wir an diesem ersten Arbeitstag noch an: wir wollen das AWG Projekt institutionalisieren. Wir wollen, wie in Gambia, eine lokale NGO gründen, die den dauerhaften Fortbestand des Projekts sichern soll. Nicholas ist sehr angetan von der Idee, und vereinbart gleich ein Interview mit einem möglichen Kandidaten für die Position eines Office-Managers, der die administrative und finanzielle Abwicklung übernehmen könnte. Die Dynamik, die diese Idee auslöst, kann die Erschöpfung des anstrengenden Reisetages nur kurzweilig lindern. Die Hitze will auch in der Vollmondnacht nicht weichen, wir schlafen im Innenhof des Compounds in unserer eigenen Pfütze.

im compound

im compound

 

Am nächsten Tag geht es in die Dörfer Chere-Nakaku, Ando-Kajura und Nansoni. Alle Frauen benennen die Entbehrungen und Rückschläge durch die Dürre, aber auch die unerschütterliche Hoffnung in dieser Saison erfolgreicher zu sein. Sie erwähnen den dringenden Wunsch nach einem zweiten Traktor, der mehr Felder pflügen möge, und auch die Anschaffung eines Anhängers, welcher mehrere Transportengpässe lösen könnte. Eine weitere Idee löst ebenfalls einhellige Zustimmung aus: der Bau eines zentralen Lagerhauses. Alle Frauen könnten ihre gesamte Ernte an die AWG Organisation verkaufen, diese wiederum könnte die Ernte bis zu einem günstigen Zeitpunkt einlagern und dann als Großkunde die Zwischenhändler ausschalten. Neben all diesen strategischen Plänen hören wir auch die Sorgen bezüglich nachlassender Bodenfruchtbarkeit an. Diesen Aspekt werden wir in der Vorbereitung einer zweiten 4-köpfigen Studentengruppe der Universität Hohenheim betonen. Wir müssen den nachhaltigen Erfolg dieser von Mühsal geplagten Bäuerinnen sichern. Und so abgearbeitet und ausgezehrt sie sind, sie beschenken uns mit ihrem Dank. Dank dafür, dass sie mit unserer Unterstützung überhaupt erstmals ein eigenes kleines Einkommen generieren konnten. Unvorstellbar, wie ihr Leben ohne diese Einnahme war, die Armut in diesem vergessenen Landstrich ist erschütternd.

Frauen in Nansoni

Frauen in Nansoni

Der einbestellte Kandidat Abdullahi Baba macht einen aufgeweckten Eindruck, und ist scheinbar versiert in allen Büroarbeiten. Versuchen wir es mal. Ein kleines Büro und notwendige Einrichtung geht in die Planung. Für Nicholas heißt das mehr Freiraum für die strategische Weiterentwicklung des Projekts unter der Prämisse, dass die Frauen Einkommen erwirtschaften und ihre Lebensumstände dadurch selbst verbessern können. Natürlich stellen wir uns die Frage, ob nicht auch diese Frauen eine Bewässerungsanlage verdient hätten. Die Wassersituation ist verheerend, von sauberem Trinkwasser ganz zu schweigen. Zum einen ist die Erfolgsquote für Wasserbohrungen ob schwieriger geologischer Formationen 1:10, zum anderen sind die Einkommensmöglichkeiten für die Frauen, selbst mit unserer Unterstützung noch zu begrenzt, um eine solche Anlage refinanzieren zu können. Und wir werden nur Projekte anschieben, die in Eigenverantwortung und Eigenregie dauerhaft weitergeführt werden können. Sonst hätten wir einmal mehr das Abziehbild des Gönners hinterlassen, ohne wirklich etwas zu verändern.

Am Abend gehe ich beim Weber vorbei, ich hatte gesehen, dass sein steinbeschwerter Kamm mit den Spannfäden sich erheblich verkürzt hat. Eine Rolle mit 4 Yards wunderschönem Band ist entstanden, woraus Schneider die herrlichen traditionellen Umhänge kreieren. Zwei Tage, je 12-stündige Webarbeit für 15 Cedis Profit = weniger als 5,- Euro. Bescheiden, aber er kann seine Familie ernähren. Wie hart Menschen arbeiten müssen, nur um sich und ihre Familien ernähren zu können – wir sind jedes Mal ergriffen, überwältigt und beschämt.

Weber in Chereponi

Weber in Chereponi

So auch am nächsten Tag, bei den Frauen aus Kpaboku. Uns zu Ehren haben sie Pitu-Bier gebraut, sie möchten unbedingt ihre Dankbarkeit ausdrücken. Dass wir sie nicht im Stich lassen, dass wir immer wieder kommen, dass wir ihnen eine Chance geben, eine unternehmerische Chance.

Frauen in Kbaboku

Frauen in Kbaboku

Der Metromass-Bus nach Tamale ist über 3 Stunden verspätet, eine weitere Stunde dauert es, bis alle Säcke verladen sind. Der sicher 30 Jahre alte Neoplan-Bus ist ein robustes Arbeitspferd, ständig überladen und ungeachtet der Straßenverhältnisse mit Karacho unterwegs. Die Menschen die im Gang auf den aufgetürmten Holzkohlesäcken sitzen, donnern bei jedem Schlagloch an die Decke. Und derer gibt es viele. Dafür ist Stehplatz halt halber Preis. Sicherheitsvorschriften?
Leider fährt uns der Folgebus nach Offinso davon, wir müssen in ein Guesthouse. Jedenfalls kommen wir so zu einem Eimer Wasser. So dreckig waren wir schon lange nicht mehr.

Zwei Tage sind wir im unserem Mikrokreditprojekt in Zentral-Ghana, unser erstes Projekt und mittlerweile ein Selbstläufer. Am Nachmittag vor unserer Rückfahrt nach Accra treffen wir noch mit Mr. Agyeman zusammen, unserem sympathischen Rechnungsprüfer für unsere beiden ghanaischen Projekte. Gewissenhafte Zahlen, sorgsame Übersicht sind Rückhalt für die Transparenz der Stiftung. Wir haften für unsere treuen Spender und gegenüber der deutschen Stiftungsaufsicht. Es muss eben alles stimmen.

K.o., langsam baut sich der Wirbel unserer Gedanken zu einem handfesten Sturm auf. Zeit, die Rückreise anzutreten und noch einen Tag protokollierend und niederschreibend am Strand zu verbringen.

Der quälende Verkehr in Kumasi eröffnet uns Beobachtungen des Recyclingprogramms in Afrika. Mehrere hundert Meter Automotoren, mehrere hundert Meter Abgasrohre, mehrere hundert Meter Stoßstangen, Autodächer, Autotüren, Kurbelwellen. Mehrere hundert Meter Computerbildschirme, Kühlschranktüren, Kühlaggregate . . . mehrere . . . vielleicht sollten wir Afrika mehrere hundert Preise fürs recyceln unserer Wegwerfgesellschaft verleihen. Unglaublich, dieses Wiederverwendungsgeschick!

rauschende Gedanken

rauschende Gedanken

Wellenrauschen durch eine Pfützen-lose Nacht. Wellenrauschen spült unsere Prioritäten an Land. Unermüdlich. Bis denn bald wieder!

Gambia Reisebericht / März 2014

„Upper Baddibou Project“ / Stiftung Sabab Lou

Wir treffen uns am Flughafen, Gate 28, Flug FRA – BRU. Wegen der Einweihung der von der HelpAlliance gesponserten Wasserversorgungslage in Jumansar sind wir ein recht großes Team. Rita Diop, Vorsitzende der HelpAlliance, Klaus Gorny, Pressesprecher LH, Sarah Kessler, Kamerafrau, Lars Heurich, LH Pilot mit seiner Partnerin Julie van der Westhuizen, Götz Mäuser, Friedrich und ich. Es ist eine recht spannende Gruppe von Menschen zusammengekommen. Natürlich wird während des Fluges BRU – BJL viel erzählt, erklärt, diskutiert. Das geht gerade weiter so im Gästehaus in Fajara, zusammen mit Nurudeen und Jamu, den Verantwortlichen des Projekts.

Nach einer Übernachtung und einer 5stündigen Fahrt gelangen wir nach Farafenni und beziehen Quartier in Eddy’s Hotel. 10 Minuten Boxenstop, dann geht’s nach Chamen, dem Dorf wo wir 2010 mit der ersten Solarpumpanlage begonnen haben. Der Empfang dort ist überschwänglich. Das halbe Dorf steht schon an der Abzweigung von der Straße und geleitet uns zu Nurudeens Compound. Große Töpfe, große Schüsseln, zufriedene Bäuche.

Begrüßung in Chamen

Begrüßung in Chamen

Danach inspizieren wir die Wasseranlage. Sie funktioniert, produziert aber zu wenig Wasser, was nach dem letzten Stand der Erkenntnis an einer Unterdimensionierung des Brunnens liegt. Wir werden sehen müssen, wie man das verbessern kann. Wegen einer Reparatur des Kontrollaggregats der Anlage haben die Dorfbewohner aufgrund des verspäteten Erntezyklus bis jetzt noch kein Einkommen erzielen können und sind im Moment schlicht nicht in der Lage den Wasserpfennig zu bezahlen, den wir zur Rücklagenbildung erheben. In den nächsten 2 Wochen kann geerntet werden, dann sind wir wieder im Plan. Nicht ganz im Plan mit dem Überangebot an Zwiebeln – das ist der guten Erfahrung der letzten Saison geschuldet – wir werden unsere Bemühungen verstärken müssen, die Dörfler zu einer größeren Vielfalt zu bewegen.

Gemüsegarten

Gemüsegarten

Wir machen uns auf den Weg nach Dutabullu. Dort werden wir genauso herzlich und überschwänglich empfangen wie in Chamen. Die Wasseranlage macht einen guten Eindruck und der Garten sieht wirklich hervorragend aus. Alle Flächen sind bepflanzt, und obwohl auch hier relativ viele Zwiebeln stehen, gibt es eine wesentlich größere Vielfalt mit Tomaten, Salat, Kohl, Cassava, Möhren, Paprika und vielem mehr. Der Zaun ist freigelegt, von überall gut sichtbar und gut in Schuss. Die Tränke für die Kühe wird genutzt und die Kühe sind im Vergleich zum Vorjahr in guter Verfassung. Sie geben Milch, allerdings in sehr bescheidenen Mengen. Für mehr Milch brauchen die Kühe mehr und reichhaltigeres Futter. Wir müssen überlegen, wie wir die Produktivität hier irgendwie steigern können, verkaufen lassen würde sich die Milch sehr gut.

Vieh in Dutabullu

Vieh in Dutabullu

Ein langer Tag mit noch mehr Fragen und viel Erklärungsbedarf, unsere Delegation ist thematisch voll eingestiegen, will mehr wissen, mehr erfahren. Nur zu gerne. Denn morgen ist DER Tag.

Beginnen soll der Festtag mit einem Fußballspiel, die Mannschaften von Chamen und Jumansar haben sich qualifiziert. Fußball ist der große Transmitter zwischen den Dörfern, zwischen den Dorfbewohnern, mit einer Begeisterung, die unseren Projekten gut tut. Friedrich und Götz starten schon durch nach Jumansar, während die LH/HA Fraktion noch einen Ausflug zum Sonntagsmarkt, nahe Farafenni macht. Nicht nur um wünschenswerte Einkäufe lokaler Besonderheiten zu tätigen, sondern auch um Marktpreise zu notieren und die Marktpräsenz gambischer Produkte versus senegalesischer Produkte zu erfassen.
Wie zu erwarten stiehlt uns die farbenfrohe Geschäftigkeit die Zeit, wir müssen uns sputen, der Anpfiff des Fußballspiels wartet nicht auf uns.

Empfang in Jumansar

Empfang in Jumansar

Doch unsere späten Bemühungen werden konterkariert von der Eitelkeit des Distrikt-Chiefs, dem wir unsere Aufwartung machen müssen. Als wir endlich in Dorfnähe gelangen, hat ein berittener Spähtrupp bereits unsere Ankunft vermeldet. Ein Pulk von trommelnden, tanzenden Menschen empfängt uns, Maskenmänner schwingen Macheten, springen vor unser Auto in beschwörendem Tanz. Ein grandioser Empfang, das habe auch ich noch nicht erlebt. Sarah springt mit ihrer Kamera auf den vorausfahrenden Pick-up, wo die gambische Presse die Szene ablichtet. Doch lange verbleiben auch wir nicht im Auto. Unter Trommelwirbel, ekstatischen Tanzritualen und Geisterbeschwörung werden wir durchs Dorf geleitet, Lars hoch zu Ross, Julie und die anderen erdrückt von Umarmungen. Zur zweiten Halbzeit treffen wir endlich am Fußballfeld ein. Superfaires Fußballspiel, tolle Siegerehrung mit Pokal und allem was dazu gehört. Jetzt kommt der formelle Teil.
Der Alkalo/Dorfoberhaupt ist aufgeregt wie ein kleiner Bub zu Weihnachten, aber das ist ja auch zu verstehen angesichts der Tatsache, dass das Dorf mit dem heutigen Tage erstmals eine Wasserversorgung haben wird.

Für die Einweihungsfeier haben Nuru und Jamu sich sehr ins Zeug gelegt und eine ganze Reihe von Honoratioren bis hin zum Minister eingeladen, und auch das Fernsehen und die Presse sind vertreten. Friedrich macht mit einem Dank an die Frauen, den eigentlichen Arbeiterinnen/Unternehmerinnen/Projektpartnerinnen den langatmigen Reden ein Ende. Danach macht sich der ganze Tross auf den Weg, den Gemüsegarten zu besichtigen, um anschließend die Wasseranlage feierlich in Betrieb zu nehmen. Der Garten sieht ordentlich aus, mit 6 ha eine Riesenfläche. Das angebaute Gemüse ist vielfältig, wenngleich auch hier etwas zwiebellastig. Ein Schluck Wasser aus dem Brunnen – es schmeckt richtig lecker, und ist einwandfrei.

Lars und Julie weihen Pumpe ein

Lars und Julie weihen Pumpe ein

Die für den Abend vorgesehene Party mit Trommelmusik und dergleichen muss wegen zweier Todesfälle leider ausfallen. Unter diesen Umständen geziemt es sich nicht, lautstark zu feiern. Aber wir sind auch leidlich geschafft und nicht unglücklich über einen reflektierenden Abend bei Eddy´s. Allmählich puzzeln sich für unsere Reisebegleiter die Ereignisse zu einem Bild zusammen, es wird klarer wie wir arbeiten, was wir erreichen wollen, wo die Schwierigkeiten liegen, warum es so arbeitsintensiv ist. Überzeugungstäter halt.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns, die LH/HA Fraktion bricht gen Heimat auf. Eine tolle Reise, ein tolles Zusammenspiel, spannende Leute, spannende Erfahrungen. Noch lange sollte uns diese Gruppe engagierter Menschen in Gedanken begleiten. Wir hoffen, dass die überschwängliche Freude der Dorfbewohner ihren Dank an die LH/HA Delegation übermitteln konnte. Diese Erlebnisse waren auch für uns überwältigend, Bilder, die verbleiben, bewegen und uns beflügeln.

Frieder und Götz haben bis zum Abend Zahlen, Bilanzen und Budgets durchgepaukt, während ich ein weiteres Mal zusammen mit Jamu, Musa und Buba den Stand der Gärten besprochen habe. Es ist jetzt wichtig zu beachten, dass wir nur noch 8 bis 10 Wochen für den nächsten Pflanzzyklus haben, bevor die Beete bereitet sein müssen für die Einsaat von Mais und die Verpflanzung der Reissetzlinge. Wir müssen die Rechtzeitigkeit der Pflanzungen noch besser einüben um größtmögliche Produktivität der Gärten zu erreichen. Auch müssen wir vermehrt die Vermarktungslage beachten, denn es sind beispielsweise die Preise für Tomaten wegen eines Überangebots verfallen. Jetzt hilft nur noch Tomatenpaste oder Tomatenketchup. Werde wohl in den nächsten 2/3 Wochen nochmal zum Einkochen kommen. Sowieso wollten wir mit Training und Workshops in die Wertschöpfungskette der Nahrungsmittelverarbeitung investieren. Womit wir auch die Jugendlichen einbinden möchten. Aber Schritt für Schritt. Erst mal bin ich froh, dass die Frauen in Dutabullu – vorbildlich! – meinem Rat nach gemischtem Gemüseanbau gefolgt sind, die Beete sehen gut aus.

Und hinterm Horizont geht’s weiter . . . Wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen, den Menschen in unseren Projekten zur nachhaltigen Verbesserung ihrer Lebensumstände zu verhelfen. Überzeugungstäter halt.

Prana im April

 

Frei sein wie ein Vogel

von Hilde Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Frei sein wie ein Vogel“ ist ein Gefühl, eine subjektive Befindlichkeit, die wohl jeder schon einmal in seinem Leben in besonderen Situationen empfinden durfte.

Bei Abinaya hat sich das Gefühl des Frei-seins im Prana-Projekt eingestellt. Der Unterricht an staatlichen Schulen besteht aus  Auswendiglernen und Nachsagen, nein, Nachbrüllen, im Chor. Dazu Schläge bei jedem kleinsten Versagen. Kein Wunder, dass ein Kind es als Freiheit empfindet, wenn es seine Kreativität leben kann, wenn es singen darf und malen, wenn es eigenständig mit anderen an einem Projekt arbeiten, wenn es Theaterstücke selbst entwerfen und darin mitspielen darf.

Viele Spender des Prana-Projektes sind Lehrerinnen und Lehrer. Es freut mich ganz besonders, ihnen sagen zu können, dass unser pädagogisches Ziel, das von Anfang an darin bestand, Kinder mit „Herz, Verstand und Hand“, wie Rudolf Steiner es einmal formulierte, lernen zu lassen, gelungen ist. Wir machen so weiter, damit „unsere“ Kinder frei bleiben können, und wenn es nur in unserer Schule ist. Dieses Gefühl der Freiheit wird Abinaya nie wieder vergessen – und ich bin mir ganz sicher, sie wird versuchen, es weiter zu geben an andere.

Abinaya will Lehrerin werden.

Prana im März

 

Murali geht Milch holen

von Hilde Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

“Milch holen gehen” klingt nicht gerade nach Sensation. Ist aber eine.
Gestern vormittag fuhr ich in die Stadt. Wen sah ich? Murali, wie er eine Milchtüte in der Hand hält und langsam und mit viel Mühe ein Schrittchen nach dem anderen macht, den Blick konzentriert auf den Boden geheftet. Ganz alleine und ohne jede Hilfe bahnte er sich seinen Weg zurück zu seiner Hütte, wo er mit seiner Familie lebt.

Murali kenne ich schon, seit er ganz klein ist. Jetzt ist er ein junger Mann von 15 Jahren. Früher lag er immer auf einer Matte vor der Hütte, unfähig, sich zu bewegen. Er war mit einer geistigen und körperlichen Behinderung geboren worden. Seit mehreren Jahren erhält er in unserem Prana-Therapiezentrum intensive physiotherapeutische Betreuung. Die entsprechenden Übungen hat die Mutter von unserem Physiotherapeuten gelernt und trainiert mit Murali zu Hause.

Murali beim Milch-holen-gehen zu sehen, hat mich sehr glücklich gemacht. Und unsere Spender, speziell diejenigen, die unser Therapiezentrum unterstützen, freuen sich sicherlich auch mit Murali, der so stolz eine kleine Selbständigkeit erlangt hat.

Und dann ?

. . . und sie lebten glücklich und zufrieden in ihrem Dorf, bis . . .

ja und dann ?

Bald wird sie fertig sein, die Solarpumpanlage in Jumansar. Die Einweihung ist für den 9. März geplant, eine Delegation der HelpAlliance und Lufthansa, ebenso wie lokale, politische Vertreter und die gambische Presse wird zugegen sein.

Wichtiger aber als die Freude und der Dank der Dorfbewohner, ist die Frage der Dauerhaftigkeit, gern auch Nachhaltigkeit genannt. Was ist denn, wenn ein technisches Teil kaputt geht? Was ist, wenn Teile der Anlage erneuert werden müssen? Müssen wir dann wieder Geld geben?

Nein.

Entschieden nein.

Wir achten mit begleitenden, Einkommen generierenden Maßnahmen darauf, dass die Dorfbewohner ihre Anlage selbst instand halten können. Die großen angelegten Gärten, die den Dorfbewohnern ein Einkommen sichern, dienen auch zur Rücklagenbildung. Ein vereinbarter Wasserpfennig wird von allen abgeführt, ihre eigene, lokale NGO, die Rural Development Organization, verwaltet die Gelder. Sie unterstützt auch mit Training, Workshops, Marketing.

Zusammen Arbeit schaffen, ist das Motto.

Nur so geht Eigenverantwortung, Eigeninitiative, Eigenständigkeit.

Vietnam Projekte Working With Others Berichte Februar 2014

Liebe Friends of Help Alliance und Unterstützer

Working with other´s – unser gemeinsam mit Saigon Children`s Charity 2010 in´s Leben gerufene Entwicklungsprogramm mit dem Schwerpunkt für behinderte arme Menschen übertrifft in seiner positiven Dynamik und den Erfolgen unsere eigenen Erwartungen. Dieses Jahr konnten wir wieder 8 ausgezeichnete Projekte mit Hilfe der Help Alliance auswählen und fördern. Den aktuellen Bericht im Rahmen unserer Förderung des Global Foundation for Children with Hearing Loss  unserer verantwortlichen Sozialarbeiterin Hien möchte wir euch gerne auf diesem Wege weiterleiten.

Dominik Kopp, Lars & Christiane Persson, Hoa Lam Viet, Ton Truong, Tahir Ucmak
Help Alliance ProjektTeam Vietnam

Project “Helping Children with Hearing Loss Learn to Listen and Talk”

- Grant Round July 2013

A 3-week training course started the projects of WWO-SCC programs in 2014 (from 06 – 24 January 2014) for teachers, therapists, audiology technicians and ENT doctors under the project “Helping Children with Hearing Loss Learn to Listen and Talk – Advanced training program” organized by the Global Foundation for Children with Hearing Loss. Audiologists Myriam De La Asuncion, Joan Hewitt and Jane Madell, auditory verbal therapists Sally Tannenbaum, Erin Thompson and Sherri Vernelson and surgeon Jay Rubinstein joined with Paige Stringer in the fourth Mobile Mission, which took place in 3 provinces: Ho Chi Minh City, Hanoi and Binh Duong.  

The Mobile Mission is an important part of the project supporting hearing impaired children in Vietnam organized by the Global Foundation for Children with Hearing Loss. The goal of this program is not only to enhance professional capabilities for Vietnamese experts through providing new knowledge, solving difficulties encountered at work but also to build a model of group cooperation between medical staff, audiology technicians, therapists and teachers who work together to address challenges faced by hearing impaired children.

After 3 working weeks at Children’s Hospital 1 in Ho Chi Minh City, Pediatrics Hospital in Hanoi and Thuan An Education Center for Children with Disabilities in Binh Duong, this program supported more than 20 therapists, 15 audiology technicians and 7 ENT doctors. Live therapy sessions between Vietnamese teachers and therapists and hearing impaired children and their families were carried out under the observation of professionals with feedback regarding expertise and methods of practice appropriate to each case.

Meanwhile, audiologists from the Global Foundation focused on training pediatric audiology technicians methods of hearing testing, hearing aid fitting and cochlear implant mapping. The very special point in this program is that Dr. Jay guided Vietnamese doctors to successfully perform surgery cases of cochlear implants at Children’s Hospital 1 in HCMC and Pediatrics Hospital in Hanoi.

100 children across the country have had hearing test and accurate audiograms together with hearing aids and cochlear implants most properly fit. Above all, the joy is expressed to the fullest in the face of students and professionals who see the tremendous progress in language and communication of hearing impaired children.

The success of this program is clearly seen in therapy classes and teachers’ skillful guidance for parents, more than 100 children across the country have had hearing test and accurate audiograms together with hearing aids and cochlear implants most properly fit. Above all, the joy is expressed to the fullest in the face of students and professionals who see the tremendous progress in language and communication of hearing impaired children.

“Thank you the Global Fund’s experts who have transformed me from a mother who did not know what to do when my son’s hearing loss was detected into a confident mother who now can teach my son at home with the guidance of school teachers.

All that we have now is thanks to the learning from you experts during the past four years” shared Gia Hao’s Mum, mother of a 6-year-old boy in preschool class in Thuan An Education Center for Children with Disabilities.

WWO program which is supported by Lufthansa Help Alliance is proud to become one of the sponsors of this meaningful project. We hope that all Vietnamese hearing impaired children will have the opportunity to get access to programs to learn to communicate by listening and speaking. It is our hope that the Global Foundation for Children with Hearing Loss will continue their support so that Vietnam will have more and more talented audiologists and speech therapists in order to help hearing impaired children early

February 2014

Reported by Hien

Prana im Februar

 

Ein neues Auto für Prana

von Hilde Link

Unser bisheriges Auto war eigentlich noch gar nicht so alt, aber es war dauernd im Einsatz, um unsere Kinder mit Behinderungen abzuholen, um einzukaufen, um  Notfälle ins Krankenhaus zu bringen. Vierzehn mal am Tag passieren wir den kleinen Dorfweg, der vom Prana-Tor abgeht. Den Bewohnern der Hütten und Häuschen, die am Rande dieses Weges leben, gebührt auch an dieser Stelle einmal  ein herzliches Dankeschön für Toleranz und Gleichmut. Schließlich ist dieser Weg am Abend der Schlafplatz für ganze Familien.

Diese profitieren auch von unserem neuen Auto, denn die Abgase und Schadstoffe sind der modernen Technik angepasst. Das bedeutet auch, dass wir wesentlich weniger Diesel verbrauchen. Und das bedeutet wiederum, dass wir mit dem Geld, das wir früher bei Transportkosten verbuchen mussten, nun größere und kleinere Löcher stopfen können, die sich immer wieder auftun.

In Indien, oder zumindest in unserer Gegend, setzt man sich nicht einfach in ein neues Auto und fährt los, sondern man vergewissert sich dem Segen der Götter. Ein Hindu-Priester segnete in kleiner Zeremonie das neue Gefährt, die Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften, wie Christen oder Moslems, beteten zu ihrem jeweiligen Gott, damit nichts Schlimmes passieren möge.

Wir danken der HelpAlliance und ihren Vertretern dafür, dass sie den Kauf eines neuen Autos möglich gemacht haben.

Chance ergriffen, Verantwortung übernommen

In unserem Projekt in Gambia, dem Upper Baddibou Projekt, in dem die HelpAlliance mit einer solaren Bewässerungsanlage einem ganzen Distrikt zu einer Einkommensmöglichkeit verhilft, haben wir einen anderen Gang einlegen können.

Nachdem wir die ersten Jahre noch viel Überzeugungsarbeit leisten mussten, haben dies nun vor allem die Frauen in unseren drei Dörfern getan. Sie haben die Chance verstanden, mithilfe des ganzjährigen Gartenanbaus ihr Leben entscheidend zu verbessern, und haben die Verantwortung übernommen. Derart, dass sie nun Rücklagen bilden, um für den Fortbestand der 2010 von der HelpAlliance gespendeten solaren Bewässerungsanlage zu sorgen. Die Frauen haben sich sogar gegen die männliche Vorherrschaft in ihren Dörfern durchgesetzt. Nicht, dass wir vorgehabt hätten in die dörfliche Hierarchie einzugreifen, es kam von selbst, ein emanzipierter, demokratischer Prozess. Die Frauen haben Einkommen erwirtschaftet, dies hat ihre Rolle gestärkt. Sie sind aufgestanden gegen die Männer und haben die Überzeugungsarbeit übernommen.

Dies ist uns wichtig, die Projekte sollen von den Menschen, denen wir Unterstützung gewähren, selbst in die Hand genommen werden. Natürlich helfen wir dabei. Auch dabei, den Gartenanbau zu optimieren. Wir helfen mit Produktionsplan und Marketingunterstützung, geben Anregungen und sachkundige Anleitung. Der eigentliche Motor sind die Frauen, und auch Jugendlichen der Dörfer Chamen, Dutabullu und Jumansar. Ihr Einsatz und ihre Verantwortung bestimmen die Nachhaltigkeit unserer Projekte. Darauf kommt es uns an.

 

 

 

 

 

Prana im Januar

 

SEELENBALSAM

von Hilde Link

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere neuen Glücksinder, zwei Jungs und ein Mädchen, die mit ihrer Großmutter im Prana-Projekt Zuflucht vor Gewalt und Verwahrlosung gefunden haben, bekommen bei uns alles, was sie brauchen: Geborgenheit und Schutz, eine Super-Schulbildung, Integration, regelmäßiges Essen, Kleidung, gesundheitliche Versorgung. Und einen Luxus erhielten sie obendrein:

Mitarbeiterinnen der HelpAlliance besuchten ihre Schützlinge. Die Projektleiterin ist schon seit elf Jahren eng mit der Tante der drei verbunden: unserer Studentin Jaga, die seit 2012 bei Prana lebt. Das ist der Luxus: Dass die Kinder zu den Menschen, die ihnen helfen, eine ganz persönliche Beziehung haben können, und dass diese Menschen sich die Mühe machen, die Strapaze einer langen Reise auf sich zu nehmen. Die Kinder empfanden diesen Besuch als eine große Ehre. Dass extra wegen ihnen Menschen kommen, die nicht zu ihrer Familie gehören, Menschen aus einem so unvorstellbar fernen Land sie besuchen, ausgerechnet sie, die Ausgestoßenen, diejenigen, die gemieden werden – dieser Seelenbalsam ist Teil des Heils, das die Kinder im Prana-Projekt erfahren dürfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prana im Dezember

 

 

FREUDE SCHENKEN

von Hilde Link

Freude schenken – das wollen wir alle besonders an Weihnachten. So einfach ist das aber gar nicht mit den Geschenken, denn so manche Gabe gefällt nicht und erfährt dann das Schicksal des Weitergeschenkt-Werdens.

Zwei fünfzehnjährige Mädchen, die das Prana-Projekt Anfang November besucht hatten, mussten sich nicht mit dem Gedanken quälen, dass ihr Gastgeschenk weitergegeben wird. Sie schenkten Freude, genauer gesagt: Spaß pur. Nämlich eine Clowns-Vorstellung.

Vielleicht haben Sie schon von der Organisation „Clowns ohne Grenzen” gehört. Das sind Clowns, die in Krisengebiete, z.B. in Flüchtlingslager reisen, um dort für einige Zeit die Menschen vergessen zu lassen, dass das Leben nur noch aus Elend besteht. An der Pondicherry University gibt es einen Professor, der Mitglied dieser Organisation ist. Zufällig war er gerade von einem „Einsatz” zurück gekommen und erklärte sich bereit, für unsere Prana-Kinder mit seinem Team eine Vorstellung zu geben. Leider war ich selbst bei dieser Vorstellung nicht dabei. Mein Mann, der noch in Indien ist, erzählt aber, dass die Kinder sich immer noch gegenseitig an einzelne Szenen erinnern, sie nachspielen und dann von Herzen lachen.

Johanna und Iona, ihr habt das bewirkt, was immer als das A und O einer Hilfsorganisation gepredigt wird: Nachhaltigkeit.

Ich bin mir sicher, dass diese Art von Nachhaltigkeit bei dem ein oder anderen Kind ein Leben lang anhält. Ich jedenfalls erinnere mich immer noch daran, wie ich vor einer Ewigkeit Charlie Rivel im Zirkus Krone in München gesehen habe. Und immer noch macht sich ihn mir ein Gefühl der Heiterkeit breit, wenn ich an seine Vorstellung denke.



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